Wie erweitert der 3D-Druck die Möglichkeiten für Architekturmodelle?

Ein Fachartikel von Dipl.-Designer R. G. PILCH

In den letzten Jahren hat der 3D-Druck immer mehr an Bedeutung gewonnen. Auch Architekturmodelle werden mittlerweile oft mit 3D-Druckern erstellt. Der Stellenwert physischer Architekturmodelle ist bei aller Digitalisierung nach wie vor unbestritten. Und Einbeziehung von Haptik ist immer ein wichtiger Faktor.

Symbolbild
Symbolbild: Jack - stock.adobe.com

In diesem Beitrag lade ich Sie ein, die Welt der 3D-Druck-Technologie zu erkunden und teile meine spannenden Erfahrungen aus den letzten Jahren mit Ihnen – sowohl im Umgang mit Architekturkunden als auch mit verschiedenen 3D-Druckverfahren. Zunächst ein kurzer Überblick zur Technologie.

Was ist 3D-Druck?

Der 3D-Druck ist ein additives Druckverfahren. Durch schichtweisen Materialauftrag wird Lage um Lage ein dreidimensionales Objekt aufgebaut.

Welche 3D-Druckverfahren sind für Architekturmodelle geeignet?

Aus der Vielzahl an 3D-Druckverfahren möchte ich Ihnen folgende vier kurz vorstellen.

Wo liegen die Vorteile des 3D-Drucks?

Der erste Vorteil: Sie können sich Zeit sparen.

Wenn Sie bereits am Computer 3D-Architektur entwerfen und konstruieren, ist Ihre CAD-Datei für den 3D-Druck eine sehr gute Basis und nach der Bearbeitung als Druckdatei exportierbar. So können Sie kurzfristig einen Druckdienstleister beauftragen oder gleich selbst drucken, wenn Sie über einen 3D-Drucker verfügen. Der aktuelle Zustand, Details oder Alternativen lassen sich so auch als 3D-gedrucktes Modell beurteilen. Ein 3D-Druck ist immer akkurater als das handgeschnittene Pappmodell und bei organischen Formen sind die manuellen Fertigkeiten schnell am Limit. Und hier punktet der 3D-Druck. Ein großer Vorteil ist der hohe Detailgrad der Formen, die mit Selektivem-Lasersintern (SLS) und Stereolithografie (SLA) möglich sind. Beim Lasersintern sind selbst komplexe Konstruktionen kein Problem. Oder Sie entscheiden sich für einen vollfarbigen 3D-Druck. Ein weiterer Vorteil: Ein 3D-gedrucktes Modell lässt sich beliebig oft reproduzieren. Die Druckdatei kann später auch für die Eigenwerbung genutzt werden, bspw. als kleines Modell mit Widmung oder Logo als Präsent für den Schreibtisch des Auftraggebers.

Wie muss das digitale Architekturmodell aussehen, um 3D-druckbar zu sein?

Wenn Sie etwa ein Gebäude im Maßstab 1:500 drucken wollen, ist eine 200 mm dicke Wand nur noch 0,4 mm stark. Fensterrahmen, Türklinken etc. sind entsprechend kleiner. Die Faustregel: Kleine Details weglassen oder für den Druck verstärken! Tragende Teile sollten eine Wandstärke von mind. 1,8 mm betragen, um das Modell solide und auch transportabel zu machen. Und für den 3D-Druck werden geschlossene Volumen benötigt.

Welches Dateiformat ist ideal für den 3D-Druck?

Für einfarbige Modelle eignet sich das STL-Format sehr gut. Wenn Sie vollfarbige Modelle drucken möchten, sollten Sie in der Regel auf eine VRML-Datei als Schnittstellenformat zurückgreifen.

Welche Materialien sind möglich?

Es gibt eine Vielzahl an Optionen, darunter verschiedene Kunststoffe und Kunstharze sowie Metalle.

3D-Druck oder traditioneller Modellbau?

Entscheidend ist, wie das Architekturmodell inszeniert werden soll und welcher Maßstab geplant ist. Minimalistisch weiß reduziert oder aufwändig mit Personen und Landschaft dekoriert? Sollen Details und filigrane Formen sichtbar sein? Für ein riesiges Städtemodell im Maßstab 1:10.000 macht es aus meiner Sicht keinen Sinn, die komplette “Klötzchenlandschaft“ zu drucken. Das wäre nicht wirtschaftlich und der Bauraum des Druckers ist auch begrenzt. Wenn aber Details gefragt sind, bietet sich sofort der 3D-Druck an. Die Kunststoffdrucke können auch manuell bearbeitet und lackiert werden. Die beste Lösung sehe ich in der Kombination aller Optionen. Das bedeutet also, 3D-Drucker können ein weiteres Tool für Sie sein, quasi als Ergänzung oder Alternative zu CNC-Fräsen, Lasern, Pappe und Skalpell. Ebenso kann auch die Kombination 3D-gedruckter Architekturmodelle mit anderen Materialen wie Holz, Glas oder Metall reizvoll sein.

Was tun, wenn keine Pläne oder Dateien vorhanden sind?

Sie können 3D-Dienstleister beauftragen, die auf Basis von Skizzen, Plänen oder Fotos 3D-Dateien erstellen und diese druckbar machen.

Das Bild zeigt ein gedrucktes Modell aus Metall, das auf Grundlage von Fotos entstanden ist.
Das obige Bild zeigt ein gedrucktes Modell aus Metall, das auf Grundlage von Fotos entstanden ist. Ebenso können Gebäude mithilfe von Drohnenbildern oder Scannern digitalisiert werden. Ein Fotogrammmetrie-Programm setzt die Einzelbilder zu einem 3D-Modell zusammen. Aus einer Punktewolke wird dann anschließend das 3D-Gittermodell errechnet. Am Beispiel der Restauration von Notre-Dame zeigt sich, wie wertvoll die vor dem Brand gemachte 3D-Digitalisierung des Gebäudes sein kann.

Häufige Fehler bei der Umsetzung

Volumenmodell
  Abb. © R.G. PILCH www.3d-druck-architekturmodell.de

Bitte beachten Sie unbedingt, dass je nach Druckverfahren unterschiedliche Mindestwandstärken zu berücksichtigen sind. Das Modell muss ein geschlossenes Volumen haben, also „wasserdicht“ sein (siehe Bild oben). Ansonsten gelten auch hier physikalische Gesetze. So mag eine Stütze mit einem Millimeter Durchmesser druckbar sein, sie wäre allerdings nicht solide. Das Druckmodell sollte also nur jene Details zeigen, die im gewünschten Druckmaßstab auch solide sind.

Ausblick und Fazit

Aus meiner Sicht ist es lohnenswert sich mit dieser zeitgemäßen Technologie zu beschäftigen und sie zu nutzen. Seit einigen Jahren werden bereits reale Bauprojekte, wie Fußgängerbrücken oder Häuser 3D-gedruckt!

Der Autor

Ein Portrait von R.G.PILCH
Der Dipl.-Designer R.G.PILCH ist Spezialist für 3D-Dienstleistungen. Er begleitet seit über 10 Jahren Architekten und Bauherren bei der Entwicklung und Realisation von 3D-gedruckten Architekturmodellen.
Foto: www.3d-druck-architekturmodell.de

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